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„Viertes Forum Industrie und HTL“ in der Mössingerstrasse

„Andere Länder beneiden uns um die HTL-Ausbildung und deren Absolventen“, sagte Timo Springer, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Maschinenfabrik und Kärntner IV-Präsident beim „Forum Industrie und HTL“. Oft sei ein weiterführendes (technisches) Studium nach der Matura gar nicht nötig. Die Absolvent/innen seien fachkundige Praktiker/innen, die gerade jetzt händeringend gesucht werden. Er wies in seinem Input neben den vielen positiven Kooperationsmodellen zwischen Industrie und HTL aber auch auf die sich rasch weiter entwickelnden Qualifikationsanforderungen der Betriebe hin. Es sind neue Berufe und Berufsbilder im Entstehen, die HTL müssen mit ihren Ausbildungen ständig am Puls der Zeit sein, um den Schülerinnen und Schülern heute und morgen optimale Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie zu sichern. Künftig werde es vermehrt Coding-Spezialisten, Data Scientists, Künstliche-Intelligenz-Manager und Visualisierungsspezialisten brauchen, um nur einige dieser Jobs zu nennen. Zuvor hatte Springer bereits die Grundbegriffe der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz und deren Implikationen aufs Tagesgeschäft sowie auf Produkte und Geschäftsmodelle, am Beispiel seines Unternehmens erläutert. Die Innovationsabteilung des Betriebs besteht überwiegend aus Mitarbeiter/innen mit HTL-Abschluss. Er ist beeindruckt von den Ausbildungen und der Qualität an den Kärntner HTL und bekräftigt einmal mehr, dass dieser Schultyp zu den wichtigsten für die Industrie in Kärnten und ganz Österreich zählt.

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Bereits zum vierten Mal fand das Forum Industrie und HTL der Industriellenvereinigung Kärnten und Bildungsdirektion für Kärnten statt. Diesmal übernahm die HTL Mössingerstrasse Klagenfurt die Gastgeberrolle. Direktor Hubert Lutnik freute sich in seiner Begrüßung über die zahlreiche Teilnahme seitens der Industrie und allen anderen Kärntner HTL. In seiner Keynote sprach Bildungsdirektor Robert Klinglmair unter anderem über die neue Struktur und Funktionsweise der Bildungsdirektion. Seine ganzheitliche Sicht zu Bildung, Demografie, regionalen Aspekten, Industrie und Beschäftigung vermittelte den Zuhörer/innen großes Verständnis für die Situation der Menschen in Bildung und die Erfordernisse der Unternehmen, mit den richtig qualifizierten und verfügbaren Mitarbeiter/innen auch am globalen Markt reüssieren zu können. Gerade im Zusammenhang mit dem Schlagwort Fachkräftebedarf sind die Vertiefung der MINT-Kompetenzen, eine punktgenaue und umfassende Berufs- und Bildungsorientierung und eine weitere Stärkung der Kooperationen zwischen Industrie und technisch-berufsbildenden Schultypen ein Gebot der Stunde. Darüber stehe natürlich die Notwendigkeit, allen Kindern die Grundkompetenzen in der Volksschule umfassend zu vermitteln – ein zentrales Element der Chancengerechtigkeit für das weitere Bildungs- und Arbeitsleben. Klinglmair plädierte dafür, die Reformbemühungen im Bildungswesen, auch wenn diese teils nicht sofort implementiert werden bzw. wirken können, als Chance zu sehen und zu unterstützen.

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Das Forum dient vor allem zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Industrievertretern und Höheren Technischen Bundeslehranstalten. Mitinitiator Wolfgang Pucher von der IV freute sich, dass auch heuer wieder angeregt diskutiert wurde, durch das Gespräch und den Austausch von Informationen verbessere sich die ohnehin sehr gute Kooperationskultur weiter, man entwickle neue Ideen, initiiere Projekte. HTL-Direktor Hubert Lutnik berichtet im Zuge der Vorstellung seiner Schule auch davon, dass aus Gesprächen beim Forum 2018 das Projekt Chemie-HTL-Klasse entstanden sei, ein wichtiges neues Angebotselement seiner Schule für die Kärntner Chemische Industrie. Aus den kurzen Berichten der Direktor/innen der weiteren vier Kärntner HTL erfuhren die Zuhörer/innen, dass innovative und wegweisende Projekte und Kooperationen quasi an der Tagesordnung sind. Das freute auch den Forums-Initiator der Bildungsdirektion, Axel Zafoschnig, der trotz schwieriger demografischer Situation auf die guten Schüler/innen- und Absolvent/innenzahlen hinweist. Er ist einer von drei österreichischen Autonomiebotschaftern im Schulwesen und setzt große Hoffnung in die steigende Flexibilität des Bildungssektors durch die voranschreitende Schulautonomie.

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Text&Fotos: Mag. (FH) Wolfgang Pucher, Industriellenvereinigung Kärnten