• HTL Mössingerstraße

GESCHICHTE HAUTNAH: NS-Zeitzeugengespräch mit Frau Liska

Am 18.11.16 besuchte uns die vom Bundesministerium für Bildung zertifizierte Zeitzeugin Hermine Liska, die mit uns ihre Erlebnisse während des NS-Regimes teilte.

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Frau Liska wurde 1930 in Kärnten geboren und weigerte sich aufgrund ihrer religiösen Überzeugung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 mit erhobener Hand „Heil Hitler“ zu grüßen. Trotz Drohungen gegen die Familie und der Tatsache, dass sie ihrer Familie entrissen und in ein NS-Umerziehungslager gesteckt wurde, ließ sie sich nicht von ihrer Überzeugung und ihrer Standhaftigkeit abbringen. Sie durchlief mehrere Heime, aber niemand schaffte es, aus ihr das zu machen, was der Nationalsozialismus für die Menschen vorgesehen hatte: eine unterwürfige, in Demut ergebene Bevölkerung, die dem Vaterland absoluten Gehorsam entgegenbrachte.

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Hermines Bruder überlebte das Konzentrationslager Dachau, konnte jedoch zeitlebens nie über die Gräueltaten, die er dort sah und am eigenen Leib ertragen musste, sprechen. Dieses Beispiel zeigt eine Möglichkeit der Aufarbeitung der Geschichte, nämlich das Verdrängen. So schmerzhaft waren die Erinnerungen, dass viele Überlebende nicht über das Unfassbare sprechen konnten. Hermine jedoch wählte einen anderen Zugang zur Aufarbeitung ihrer Geschichte, so dass sie seit Jahren Schulen in Österreich besucht, den Jugendlichen von dieser Zeit „hautnah“ berichtet und mahnt, dass wir nicht vergessen dürfen, dass wir hinterfragen sollen und uns niemals dem Gruppenzwang beugen, sondern unseren Prinzipien treu bleiben sollen. Sobald Unrecht geschieht – so Frau Liskas Credo – sollten wir die Courage besitzen einzuschreiten, frei nach Bert Brechts Worten: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.

Wir danken Frau Liska aus ganzem Herzen für ihren Besuch und sind sprachlos und tief bewegt, dass sie es trotz der furchtbaren Thematik des Nationalsozialismus durch ihr Naturell und ihre erfrischende Art geschafft hat, die anwesenden Schülerinnen und Schüler sowie das zuhörende Kollegium gleichermaßen zu beeindrucken. Ein weiterer Dank geht an Frau Dürnberger, die Frau Liska auf ihren Reisen an die Schulen begleitet, für ihren einführenden Vortrag in die Thematik. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit.  

                                                                                                            © Mag. Mirjam Rein